Form Follows Friendship 2026

Form Follows Friendship 2026
Co-Design as a democratic practice

Photo: Lena Everding

Form Follows Friendship ist ein Projekt des German Design Council gemeinsam mit dem diplomatischen Netzwerk des Königreichs der Niederlande und dem Creative Industries Fund NL im Rahmen von World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC 2026). WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Es bringt aufstrebende Designer*innen aus Deutschland und den Niederlanden zusammen, die über mehrere Monate hinweg in Teams arbeiten. Ihre Zusammenarbeit wird durch das praktische Handeln geprägt. Modelle werden gebaut, ausgetauscht und überarbeitet, sodass sich Ideen durch Material und Iteration weiterentwickeln können.

Das Programm spiegelt aktuelle Entwicklungen im Design wider. Es konzentriert sich darauf, wie Designer*innen grenz- und disziplinübergreifend arbeiten und wie gemeinsame Urheberschaft durch konkrete Prozesse Gestalt annimmt.

Die Projekte befassen sich mit Fragen rund um Ressourcen, digitale Werkzeuge und kollektive Arbeitsweisen. Sie reagieren darauf durch Experimentieren und praktische Erkundung.

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Samstag, 13. Juni 2026 von 16 bis 18:00 Uhr
WDC-Hub, Erdgeschoss
Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main, Eintritt frei

RSVP Eröffnung

LAUFZEIT

14.–28. Juni 2026

EINE Kooperation von

ÜBER DIE DESIGNTEAMS

Die ausgewählten Designer*innen aus den Niederlanden und Deutschland repräsentieren eine junge Generation, die in den Bereichen Produktdesign, digitale Medien, Kommunikation und Materialforschung tätig ist. Sie bringen unterschiedliche Methoden, Referenzen und Arbeitsweisen mit. Das Programm bringt sie in binationalen Teams zusammen, in denen diese Unterschiede Teil des Prozesses werden. Zusammenarbeit ist nicht nur eine Ergänzung, sondern die Grundlage der Arbeit.

A MATTER OF LIGHT

Was passiert, wenn die Rückstände einer Saftpresse zum Material für eine Leuchte werden – und diese Leuchte so gestaltet ist, dass sie vollständig zerlegt werden kann? A Matter of Light ist ein kollaboratives Forschungsprojekt des Berliner regenerativen Designstudios A Matter of Fruit und des Studio Sjoerd Geerts in Eindhoven. Zwischen Deutschland und den Niederlanden arbeitend, verbinden die beiden Studios ihre Expertise in der Entwicklung biobasierter Materialien und im zirkulären Produktdesign. Das Ergebnis ist eine kleine Serie von Lichtobjekten, die von Beginn an für Demontage, Reparatur und Materialrückgewinnung konzipiert wurden.

Das Projekt widmet sich einem einfachen, aber drängenden Problem: Die meisten Leuchten im Innenraum bestehen aus fossilen Kunststoffen, energieintensiven Materialien und Konstruktionen, die Reparatur oder Wiederverwendung nahezu unmöglich machen. Beide Studios bringen dabei unterschiedliche Ansätze ein. Die biobasierte, vollständig biologisch abbaubare Folie von A Matter of Fruit – hergestellt aus Apfeltrester, dem Rückstand der Saftproduktion – streut das Licht mit einer transluzenten Qualität, die zwischen Papier und Kunststoff liegt. Studio Sjoerd Geerts entwickelt die Struktur der Objekte selbst: Leuchten, bei denen Form, Konstruktion, Lichtwirkung und Lebensende von Beginn an gemeinsam gedacht werden. Alle Verbindungen sind mechanisch statt verklebt, sodass einzelne Komponenten getrennt, neu konfiguriert und wiederverwertet werden können. Die Gesamtstruktur lässt sich anpassen oder reparieren, anstatt ersetzt zu werden.

Das übergeordnete Ziel ist nicht nur die Entwicklung einer neuen Leuchte, sondern auch die Anregung einer Diskussion über den alltäglichen Umgang mit Ressourcen, regionale Wertschöpfungsketten und die Frage, wie Objekte für eine Welt zunehmender Materialknappheit gestaltet werden können. Das Projekt zeigt, dass aus Abfall gewonnene Materialien funktional, attraktiv und langlebig sein können – nicht als Kompromiss, sondern als gestalterisches Versprechen.

FORM FOLLOWS FOLD
Wie können Ideen durch das Machen statt durch Botschaften über Grenzen hinweg reisen? Für Studio Luis Marie und Friedrich Gerlach beginnt die Antwort mit einem einzigen Blatt Papier im Format A3.

„Form Follows Fold“ ist ein kollaboratives Forschungsprojekt, das Gestaltung als physischen Dialog über Ländergrenzen hinweg untersucht. Zwischen den Niederlanden und Deutschland tauschen die beiden Studios kompakte „Brieffreunde-Prototypen“ aus: gefaltete, geschnittene und drapierte Experimente, die sich durch wiederholte Zyklen des Versendens, Empfangens und Weiterentwickelns kontinuierlich verändern.

Ausgehend von einem einzelnen A3-Blatt erforscht das Projekt, wie minimale Eingriffe maximale räumliche Wirkung erzeugen können. Durch Falten, Schneiden und Drapieren verwandeln sich flache Oberflächen in leichte architektonische Strukturen, die sich einfach transportieren, lokal anpassen und immer wieder neu konfigurieren lassen. Eine raumgreifende Installation zeigt, wie diese Prinzipien als Medium der Kommunikation angewendet werden können.

AI TELL YOU EVERYTHING
Woher wissen wir, wer spricht, wenn eine Maschine die Nachrichten schreibt? Für Tina Lenz und Enes Pavluković beginnt die Antwort nicht bei der Technologie, sondern mit einer einfachen Frage an eine Gruppe von Menschen.

„AI Tell You Everything“ ist ein partizipatives Forschungsprojekt, das Autor*innenschaft, Stimme und redaktionelle Handlungsmacht im Zeitalter automatisierter Medienproduktion untersucht. Zwischen den Niederlanden und Deutschland entwickelten Lenz und Pavluković ein Workshop-Format, das in drei Iterationen stattfand – im April in Amsterdam sowie im Mai und Juni in Frankfurt am Main. Die Teilnehmenden waren eingeladen, KI-generierte Mikrogeschichten auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen zu erstellen, zu bearbeiten und physisch zu markieren.

Jede Session beginnt mit einer einfachen aktivierenden Frage: Die Teilnehmenden teilen eine persönliche oder lokale Nachricht, die als Ausgangspunkt für KI-generierte Mikrogeschichten dient. Diese werden auf recyceltem Kassenpapier mit einem Thermodrucker ausgedruckt. Das Kassenpapier verweist auf alltägliche wirtschaftliche Transaktionen und die Flüchtigkeit digitaler Informationen. Die Teilnehmenden erzeugen mehrere Versionen, vergleichen diese und wählen jene aus, die ihrer eigenen Perspektive am ehesten entspricht.

Anschließend greifen sie manuell in den Prozess ein – durch Steinbearbeitung und das Stempeln mit Tinte. So verwandeln sie den gedruckten Text in ein „Traktat“: eine bewusst redigierte, kollektiv ausgehandelte Mikro-Publikation, die sie anschließend mitnehmen können.

Der Thermodruck verblasst mit der Zeit. Was bleibt, ist die analoge Spur, das sichtbare Zeichen menschlicher Entscheidungen. Der Titel enthält eine letzte Irreführung: „AI“ steht hier nicht für Artificial Intelligence, sondern für die erste Person Singular – das „Ich“. Die Frage, wessen Stimme spricht, war von Anfang an der eigentliche Kern des Projekts.

ÜBER DIE JURY

Die Projekte wurden von einer interdisziplinären Jury ausgewählt, deren Mitglieder über Erfahrung in den Bereichen Design, Architektur und Kultur verfügen.

Ellen Schindler

Geschäftsführende Gesellschafterin bei De Zwarte Hond, verantwortlich für Unternehmensstrategie und -entwicklung, Markenbildung, PR und Kommunikation.

Foto: Silke Zander

Marcel Besau und Eva Marguerre

Studio Besau-Marguerre steht für einen ganzheitlichen Gestaltungsansatz, der Disziplinen wie Produktdesign, visuelle Kommunikation, Interior Styling Colour Consulting und Interior Design vereint.  Seit der Gründung 2011 durch Eva Marguerre und Marcel Besau hat sich das Hamburger Designstudio mit seiner Liebe zum Detail, seinem Gespür für Farben, Formen und Materialien einen Namen gemacht.

Nadia Troeman

Nadia Troeman ist Programmmanagerin am Nieuwe Instituut in Rotterdam (NL) und hat einen Hintergrund in Grafik- und Ausstellungsdesign. Sie hat Erfahrung im Aufbau von Netzwerken zwischen Fachleuten und einem breiteren kreativen Publikum. Sie weiß, dass wertvolle Erfahrungen entstehen, wenn Programme inhaltsorientiert und besucherorientiert sind und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern entwickelt werden.

ANSPRECHPARTNER*INNEN

Katrin Krupka, Projektleiterin German Design Graduates
Katrin.Krupka@gdc.de

Lene ter Haar, Kulturreferentin beim Niederländischen Generalkonsulat in Düsseldorf
lene-ter.haar@minbuza.nl